A17: Die Chimärismusentwicklung in verschiedenen Geweben nach Transplantation von Prominin-1/CD133 positiven hämatopoietischen Stammzellen bei Maus und Mensch
Projektleitung: Prof. Dr. G. Ehninger
Das Dresdner Zentrum für Knochenmark- und Stammzelltransplantation an der Medizinischen Klinik und
Poliklinik I des Universitätsklinikums Dresden besteht seit mehr als zehn Jahren. Heute gehört es zu
den größten in Europa.
Erfahrungen mit Stammzell-Transplantationen bei Leukämie und andere Erkrankungen des Blut bildenden
Systems gibt es seit mehr als dreißig Jahren. Durch Blutstammzell-Transplantation werden heute viele
Patienten geheilt, für die es noch vor Jahren keine Rettung gab.
Mit den klinischen Erfolgen stellt sich die Aufgabe, die Zellbiologie der Blut bildenden
(hämatopoetischen) Stammzelle (HSC) noch besser zu verstehen.
HSC dargestellt im Elektronenmikroskop
Insbesondere die Frage nach der
Fähigkeit der Plastizität, also der Umwandlung in andere Zell-Linien ist von erheblicher
therapeutischer Bedeutung. Tatsächlich sind viele Details der Zellteilung, der Ausdifferenzierung
und der Fähigkeit der Plastizität dieser Stammzellen noch unbekannt. Somit besteht in diesem Bereich
ein erheblicher Bedarf an wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn. Die Arbeitsgruppe A17 des SFB möchte
hierzu einen Beitrag leisten.
Ziel unserer Arbeiten ist es, die physiologischen Mechanismen der Blutstammzelle besser zu verstehen,
um die Zellen für Therapien noch besser einsetzen zu können.
Wir wissen, dass die Hämatopoese (Blutbildung) im Knochenmark ein sehr dynamisches, regeneratives
System ist. Zu jeder Zeit werden durch die Proliferation und Differenzierung hämatopoetischer
Stammzellen neue rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen gebildet. Damit die Blutbildung ein
Leben lang funktioniert, müssen die Blutstammzellen auch die Fähigkeit besitzen, sich selbst zu erneuern.
Die entsprechenden Stammzellen befinden sich nicht nur im Knochenmark, sondern auch im peripheren Blut
(nach einer sog. Stammzell-Mobilisierung) und im Nabelschnurblut.
Bis heute ist eine Blutstammzellvermehrung außerhalb des Knochenmark im Labor nicht ausreichend gelungen.
In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass für die Selbsterneuerung der Blutstammzelle das
umgebende Milieu von großer Bedeutung ist. Die hämatopoetische Stammzelle steht in engem Kontakt
mit anderen Zellen im Knochenmark. Über Botenstoffe und direkten Zellkontakt findet eine intensive
Kommunikation zwischen den Zellen statt. Diese komplexe Interaktion der Zellen gilt es zu verstehen,
um Blutstammzelle auch außerhalb des Körpers (in vitro) vermehren zu können.
Von besonderer Bedeutung hierfür scheinen die mesenchymalen Stromazellen (MSC) im Knochenmark zu sein.
Sie unterstützen die Expansion von hämatopoetischen Stammzellen in vitro und fördern die Bildung der
roten und weißen Blutkörperchen in der sog. Stammzell-Nische.
Über ein Marker-Molekül namens Prominin reichern wir hämatopoetische Stammzellen aus dem Blut
des Menschen an und kultivieren diese in Ko-Kulturen mit den MSC. Wir konnten bisher zeigen, dass
vor allem jene Blutstammzellen, die in direktem Zellkontakt mit den MSC stehen, eine höhere
Wachstumsrate aufweisen und in Funktionstests eine deutlich höhere Wanderungsfähigkeit besitzen.
In Mausmodellen wird nun untersucht, ob diese Fähigkeiten der Zellen auch im lebenden Organismus gelten.
Weiterhin wird untersucht, ob die in Kulturen vermehrten Blutstammzellen im Mausmodell fähig sind,
im geschädigten Gewebe regenerative Kräfte zu entfalten. Hierbei wollen wir insbesondere das
zentrale Nervensystem untersuchen.

